Verkehrszukunft der Schweiz

Der Bundesrat will mit dem Projekt «Verkehr ‘45» die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz zukunftsfähig machen. Dabei geht es primär um Ausbau statt um Strukturanpassung.

Das Projekt «Verkehr ‘45» sieht den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur vor. Es ist die Antwort auf die Abstimmungsvorlage «Ausbau Nationalstrassen», welche die Stimmbevölkerung am 24. November 2024 bachab geschickt hat.

Geplant ist der Ausbau von Strasse, Schiene und Agglomeration mit einem Investitionsvolumen von rund 56,5 Milliarden Franken über einen Zeitraum von zwanzig Jahren.

Über 50 % des Verkehrs sind dem Freizeit- und Tourismusverkehr zuzuordnen. Der Anteil des MIV (motorisierter Individualverkehr) an allen im Inland zurückgelegten Personenkilometern beträgt rund 70%. Mitverursacht wird der Freizeitverkehr u.a. von der rüstigen pensionierten Bevölkerung – welche der Arbeitswelt fehlen, was Zuwanderung bedingt, welche den Verkehr wiederum anheizt.

Der Status quo bildet die Ausgangslage für die Ausbaupläne des Bundesrates.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hält dem Projekt entgegen, dass die Wirtschaftlichkeit überschätzt und die Finanzierung teilweise ungeklärt sei. Das politisch grüne Lager hat Bedenken aus Sicht der Nachhaltigkeit. Auch wenn der mobilitätsbedingte CO2-Ausstoss wegen der E-Autos laufend reduziert wird, bleiben die anderen negativen Implikationen wie Bedarf an grauer Energie, Landschaftsbeeinträchtigung, Lärm, Stress wegen Stau etc. trotzdem bestehen.

Das Fazit ist, dass es Strukturanpassungen braucht, welche eine Verhaltensänderung bewirken. Konkret hiesse dies, Kapazitäten zu begrenzen und gleichzeitig neue Lösungen anzugehen: 10-Minuten-Nachbarschaft (siehe Interview mit Dr. Sibylle Wälti), Verdichtung, Homeoffice, Carsharing (siehe Artikel von allride), Abbau respektive effizientere Nutzung von Parkplätzen (siehe Artikel Stellos) sowie autofreie Innenstädte, Ausbau der Veloinfrastruktur, Umwandlung von Strassen in Freiräume, Maut etc. (siehe Beispiele in der Auflistung unten).

Das Positive ist: Man reduziert mit solchen Massnahmen nicht nur den Verkehr, sondern erhöht auch die Lebensqualität.

Beispiele für mögliche Mobilitätsentwicklungen (Quelle: Tages-Anzeiger vom 23. Januar 2026)
  • Barcelona: Mit den «Superblocks» wurden mehrere Wohnblöcke zusammengefasst und die Verkehrsfläche massiv reduziert und begrünt; die Anwohner dürfen nur ausnahmsweise mit dem Auto fahren;
  • Berlin: Mit «Berlin autofrei» darf jeder Einwohner in den definierten Umweltzonen nur noch zwölf Fahrten pro Jahr unternehmen;
  • Frankfurt am Main: Mit einer Prämie werden Menschen zum Verzicht auf Verbrennerautos bewogen; wer das Auto abmeldet, bekommt ein Deutschlandticket (analog GA in der Schweiz);
  • London: Hat bereits 2003 eine Citymaut eingeführt, die später durch eine Umweltzone für besonders emissionsintensive Fahrzeuge ergänzt wurde;
  • New York: Erhebt seit 2025 eine Citymaut für das südliche Manhattan;
  • Paris: Hunderte von Strassenzügen wurden für den motorisierten Individualverkehr gesperrt;
  • Peking: Eine Zulassungslotterie entscheidet darüber, wer überhaupt ein Nummernschild bekommt;
  • Seoul: Baut die Schnellstrassen zurück zugunsten von Renaturierungsprojekten und Ausbau des öffentlichen Verkehrs;
  • Singapur: Mit dem «Certificate of Entitlement », das per Auktion vergeben wird und teils mehr als CHF 80’000 kostet, erhält man überhaupt die Berechtigung, ein Auto zu kaufen;
  • Tokio: Verlangt den Nachweis eines Parkplatzes in Wohnortnähe, bevor ein Auto zugelassen wird;
  • Utrecht: Hat die Stadt komplett umgebaut, so dass der Velo-Anteil >50% beträgt.

Autorin: Elvira Bieri, Geschäftsführerin SSREI AG

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