SSREI und die «10-Millionen-Schweiz»

Am 14. Juni stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ab. Die Befürworter versprechen, mit der Eindämmung der Einwanderung die Wohnungsknappheit zu entschärfen.

Die Einwanderung verknappt das Wohnangebot, was zu steigenden Mietpreisen führt. Folglich muss man die Einwanderung eindämmen. So argumentieren die Befürworter der Initiative.

Dank den Bestandsmieten respektive den langjährigen Mietverträgen fällt die Mietzinsbelastung in der Schweiz im Durchschnitt mit rund 20% zwar weiterhin tief aus; aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Marktmieten, die beim Umzug normalerweise zum Tragen kommen, zum Teil erheblich über den Bestandsmieten liegen und sich daher dieses Verhältnis laufend verschlechtert. Für die wohlhabendere Schicht ist da noch viel Luft drin, aber für Leute mit tieferen Einkommen wird dies zunehmend zum Problem, was das Risiko von gesellschaftlichen Verwerfungen in sich birgt.

Die Eindämmung der Einwanderung würde bestimmt Druck vom Wohnungsmarkt nehmen, doch zu Lasten unseres Wohlstandes. Die Frage ist: Wollen wir das? Gibt es verträglichere Alternativen?

Das Problem sollte von innen heraus unter Mitwirkung aller Akteure angegangen werden. Wir verweisen dabei auf den Artikel «Spannungsfeld Rendite – Sozialverantwortung» im März-Newsletter.

SSREI gibt den Immobilienbesitzern ein Rezeptbuch für ihren Beitrag zur Lösung des Problems in die Hand. So sind dort u.a. folgende Grundsätze verankert:

Auf hohe Nutzungsdichte und adäquates Einkommen ausgelegte Vermietungspolitik (allenfalls in verträglichem Masse Quersubventionierung von Wohnungen), Verzicht auf Zweit- respektive Airbnb-Wohnungen; nachhaltige Instandhaltung und Instandsetzung zur Verhinderung von vorzeitigen Ersatzneubauten; sozialverträgliches Kündigungsverhalten; Verdichtung mit ökonomisch vertretbarem Mehrwertverzicht.

Zugegeben: Das bedingt etwas Renditeverzicht. Doch in Anbetracht dessen, dass die Branche mit einem aktuell hohen Anteil an Bestandsmieteinnahmen Geld verdient, belegt, dass es da Potenzial gibt. Im Fachjargon nennt man diesen Grundsatz «Corporate Social Responsibility». Gemeint ist damit, dass Unternehmen nicht nur den Aktionären dienen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen haben.

Fazit: Nicht die Schliessung der Schweiz, sondern die Bereitschaft zu einer massvollen Verhaltensanpassung aller Betroffenen löst das Problem.

Autorin: Elvira Bieri, Geschäftsführerin SSREI AG

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