Für Minergie-Gebäude, die eine Netto-Null-Bilanz erzielen, gibt es seit wenigen Wochen den Minergie-Netto-Null-Standard. Das neue Label soll dazu beitragen, die nationalen Netto-Null-Ziele bis 2050 zu erreichen.
Die Schweiz strebt bis im Jahr 2050 Netto-Null an. Zahlreiche Kantone und Städte haben ambitioniertere Ziele: «Es müssen mehrere Kantone und Behörden ab 2035 eine Netto-Null-Bilanz vorweisen. Schulen, Spitäler und Areale benötigen Planungssicherheit, es braucht deshalb ab sofort einen zertifizierbaren Netto-Null-Standard, auch für Unternehmen», erklärt der Minergie-Präsident und Luzerner Regierungsrat Fabian Peter.
In drei Phasen den Standard erreichen
Beim Neubau basiert das Label auf einem Minergie-P/-A-ECO-Standard, für Sanierungen genügt der Minergie-Standard. Das Label kann zudem mit dem SNBS-Hochbau kombiniert werden. Das Produkt folgt einem dreiphasigen Vorgehen, das bereits in der Projektkonzeption beginnt: In der ersten Phase gilt es, CO2 zu vermeiden – Emissionen werden, wo immer möglich, reduziert. In der zweiten Phase steht das Speichern im Fokus – Kohlenstoff wird im Gebäude für 60 Jahre oder länger gebunden. Und in der dritten Phase erfolgt das Ausgleichen – die restlichen Emissionen werden durch geprüfte Negativemissionszertifikate ausgeglichen, mit Permanenzen über Jahrhunderte bis Jahrtausende. Nach dem Erwerb der entsprechenden Negativemissionszertifikate wird das Minergie-Netto-Null-Zertifikat ausgestellt. Das Gebäude verfügt dann für die nächsten 60 Betriebsjahre über eine CO2-neutrale Bilanz.
Der ETH-Klimaforscher Cyril Brunner betont, dass die Emissionsreduktion auch in Zukunft zentral bleiben werde, «aber ohne CO2-Entfernung gibt es kein Netto-Null». Die Negativemissionszertifikate sind teuer, denn sie benötigen ebenfalls Energie, Platz und je nachdem Infrastruktur. «Wir rechnen bei Minergie zurzeit mit Kosten von rund 250 Franken pro Tonne CO2. Diese Mittel fliessen direkt in Projekte, die CO2 effektiv und dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen», so Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi. Der Geschäftsleiter rechnet innerhalb der nächsten zwei Jahre aufgrund der hohen Anforderungen mit ein paar Dutzend Gebäuden, die den Standard erreichen könnten.
Mehrfamilienhaus als Pionierprojekt
Einer, der sich das Label bereits vorgenommen hat, ist Beat Kämpfen. Der Architekt hat bereits 70 Minergie-ECO-Gebäude realisiert und ist 17-facher Gewinner des Schweizer Solarpreises. Damit das in der Ausführungsplanung befindende Mehrfamilienhaus in Zürich-Höngg den Minergie-Netto-Null-Standard erreicht, will Beat Kämpfen noch zusätzliche Emissionen vermeiden und speichern, so dass die restlichen Emissionen für maximal 100’000 Franken mit Negativemissionszertifikaten ausgeglichen werden können. «Wir haben das Gebäude bereits so klimafreundlich geplant, dass es weniger als 175’000 Franken sein werden», so der Architekt. Dies würde rund 1,5 Prozent der Baukosten entsprechen. «Wenn die Bauherrschaft die Hälfte der Kosten für die Zertifizierung übernimmt, betragen die Kosten der 16 Wohnungen auf den Monat gerechnet noch rund 10 Franken. In Zürich sollte das möglich sein. Und wir haben ein gutes Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben», sagt Beat Kämpfen.
Mehr Infos zu den Anforderungen auf www.minergie.ch.
Autor: Marcel Habegger, Projektleiter Redaktion & Medien, Minergie

