Temporär nutzen, langfristig entwickeln

Wie können Leerstände schon heute einen Mehrwert für morgen schaffen? Zwischennutzungen bieten Raum für Ideen, Begegnungen und Experimente und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadt- und Immobilienentwicklung.

Leerstehende Gebäude und brachliegende Flächen gehören zu den wiederkehrenden Herausforderungen der Immobilienentwicklung. Gleichzeitig bieten sie die Chance, neue Nutzungen temporär zu erproben und Orte bereits während eines Transformationsprozesses zu beleben. Da Umbauplanungen häufig länger dauern als vorgesehen, gewinnen Zwischennutzungen als Instrument zur Aktivierung und Pflege von Bestandsliegenschaften zunehmend an Bedeutung.

Was einst vor allem aus zivilgesellschaftlichen Initiativen entstand, ist heute fester Bestandteil vieler baulicher Entwicklungsprozesse. Als flexible Planungstools leisten Zwischennutzungen weit mehr als eine temporäre Vermietung. Sie reduzieren Leerstand, decken Betriebskosten, erhalten die Bausubstanz für eine spätere Umnutzung und setzen vorhandene Ressourcen sinnvoll ein. Zudem liefern sie wertvolle Erkenntnisse über Bedürfnisse und Potenziale zukünftiger Nutzungen.

Sie reagieren flexibel auf bestehende Räume und eröffnen Kreativschaffenden, Kleinunternehmen, Kulturbetrieben, sozialen oder lokalen Initiativen niederschwellig Zugang zu bezahlbaren Flächen. Projekte, Geschäftsideen, kulturelle oder soziale Angebote können dank der guten Konditionen wachsen und sich weiterentwickeln. Durch die Vernetzung mit anderen Akteur:innen entstehen Kooperationen, neue Zielgruppen und eine lebendige Gemeinschaft, die den Standort prägt. Ob ehemalige Gewerbehallen als Ateliers und Sportflächen, leerstehende Büros für Start-ups oder brachliegende Areale als Quartiertreffpunkte: Zwischennutzungen können vielfältige Funktionen übernehmen. So tragen sie zum Erhalt günstiger Räume und baukulturell wertvoller Bestände bei und stärken die Identität eines Standorts oft weit über das Areal hinaus. Damit werden sie zu einem Baustein einer resilienten und nachhaltigen Stadt- und Immobilienentwicklung.

Zwischennutzungen entfalten ihr Potenzial jedoch nicht automatisch. Sie benötigen klare Rahmenbedingungen, eine transparente und kooperative Zusammenarbeit zwischen allen Anspruchsgruppen sowie eine enge Verknüpfung mit der zukünftigen Entwicklung. Werden sie lediglich als Marketinginstrument oder Lückenfüller eingesetzt, droht ihr Mehrwert verloren zu gehen. Entscheidend ist, sie als Bestandteil einer lernenden Planungspraxis zu verankern.

Genau hier setzt die Arbeit von unterdessen an. Wir verstehen Zwischennutzungen als Teil eines sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Entwicklungsprozesses. Gemeinsam mit Eigentümer:innen, Gemeinden und lokalen Akteur:innen entwickeln und begleiten wir Zwischennutzungen über den gesamten Prozess hinweg – von der Konzeption und Beratung über die Koordination bis zur Betriebsorganisation und Kommunikation. Als neutrale Vermittlerin schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen und bringen die Interessen aller Anspruchsgruppen zusammen. Gemeinsam mit unseren Schwesterbüros Denkstatt, baubüro in situ und Zirkular begleiten wir Transformationsprozesse von Arealen und Gebäuden ganzheitlich. So entstehen aus Leerstand lebendige Orte, die einen nachhaltigen Mehrwert für Immobilien, Quartiere und ihre zukünftige Entwicklung schaffen können.

Autorin: Claire Flury, Projektleiterin, unterdessen GmbH

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