Eine Frage an Marieke Kruit, Stadtpräsidentin von Bern und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Städteverbands

Immer mehr Menschen wollen in Städten wohnen. Dadurch nimmt die Wohnraumknappheit zu, insbesondere im preisgünstigen Segment. Wie gehen die Städte an diese Herausforderung heran und welche Rolle nimmt hier der Städteverband wahr?

Die Städte sind starke Wirtschaftszentren und Innovationslabore. Gleichzeitig bieten sie ihren Bewohnenden hohe Lebensqualität. Zum Beispiel durch kurze Wege, häufige Verkehrsverbindungen, ein dichtes Kultur- und Freizeitangebot oder auch umfassende Möglichkeiten für die familienexterne Kinderbetreuung. Die Städte wachsen – das ist ein Zeichen ihres Erfolgs. Gleichzeitig bedeutet es grossen Handlungsbedarf im Wohnungsbau.

Es braucht in den Städten mehr Wohnraum. Die hohe Nachfrage wird auch daran ersichtlich, dass es sehr wenig Leerstand gibt. Es braucht deshalb das Engagement aller Wohnbauträger: Private, Institutionelle, Gemeinnützige und auch die Stadt.

In den Städten bedarf es Wohnraum für unterschiedliche Bedürfnisse: Für ältere Menschen, für Familien, für kleine Portemonnaies, für gehobenere Ansprüche, für neue Wohnformen. Ein guter Mix führt dazu, dass die Städte durchmischt bleiben. Die Durchmischung ist ein zentraler Faktor für ihre Attraktivität.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Sicherstellung von preisgünstigem und für den Mittelstand bezahlbaren Wohnraum. Die hohe Nachfrage nach städtischem Wohnraum treibt dessen Preis in die Höhe. Um auch im tieferen und mittleren Preissegment ein genügend grosses Angebot zu ermöglichen, nutzen die Städte ihre Handlungsspielräume.

Hierfür können die Städte verschiedene Ansätze anwenden: Erstens indem sie den Wohnungsbau nach dem Prinzip der Kostenmiete fördern und Baufelder an gemeinnützige Bauträger wie Wohnbaugenossenschaften abgeben. Zweitens indem sie über ihren Fonds für Boden- und Wohnpolitik selbst als Bauträgerin auftreten und dabei gerade auch preisgünstigen Wohnraum schaffen. Und drittens, indem sie Vorgaben erlassen, wonach bei Um- und Aufzonungen ein bestimmter Anteil des Wohnraums nach dem Prinzip der Kostenmiete und/oder im preisgünstigen Segment erstellt wird. Diese Anteilsregelung ist auch ein Beitrag zur Durchmischung und soll für lebendige Quartiere sorgen.

Der Schweizerische Städteverband setzt sich auf nationaler Ebene für eine urbane Wohnpolitik ein und unterstützt die Städte mit Austauschgefässen und Werkzeugen zur Erarbeitung der je eigenen Wohnpolitik.

Wohnungsbau in den Städten bleibt eine Daueraufgabe und gänzlich aufgehoben werden kann die Knappheit nicht, denn diese ist auch Ausdruck der Attraktivität der Städte. Die Städte brauchen gute Rahmenbedingungen, damit sie ihre Handlungsspielräume nutzen und so weiterhin zur wirtschaftlichen Stärke der Schweiz beitragen können.

 

Zur Person: Marieke Kruit, Stadtpräsidentin von Bern und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Städteverbands

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