Energiestadt – Gemeinsam unterwegs zu Netto-Null

«Energiestadt» ist das Label für Gemeinden und Städte, um das Netto-Null-Ziel des Bundes zu erreichen. Dieses einheitliche Vorgehen schafft Transparenz und Vergleichbarkeit.

Gemeinden und Städte wollen vorwärts machen mit der Erreichung der Netto-Null-Ziele des Bundes. Energiestadt zeigt ihnen aktuell als einziges umfassendes Instrument, wo sie in Bezug auf die Ziele stehen und was sie tun können, um sie zu erreichen. Neu stehen der auf Netto-Null ausgerichtete Energiestadt-Katalog und eine Netto-Null Analyse zur Verfügung. Das Netto-Null-Dashboard unterstützt bei der Beurteilung mit Daten und Fakten. Dabei werden Themen wie Raumplanung, Kommunale Gebäude, Versorgung und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation und Kommunikation/Kooperation adressiert. Das sind alles Bereiche, bei denen Gemeinden und Städte Einfluss nehmen und gestalten können.

Benchmarks und Wirkungsanalyse für mehr Transparenz
Mit dem Netto-Null-Dashboard bietet Energiestadt den Gemeinden und Städten die Möglichkeit, den Fortschritt der eigenen Massnahmen sichtbar zu machen und sich mit anderen Gemeinden in der ganzen Schweiz zu vergleichen. Umfassende Datensätze werden den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Kontinuität für langfristige Zielerreichung
Dank regelmässigen Rezertifizierungen bleiben die Strategien auf dem neusten Stand. Dies gewährleistet, dass Gemeinden und Städte kontinuierliche Fortschritte machen und auf neue Herausforderungen reagieren können. Dabei werden sie von über 100 erfahrenen und kompetenten Beraterinnen und Beratern begleitet.

Gute Beispiele als Hilfestellung
Energiestädten stehen auch gute Beispiele anderer Gemeinden und Städten zur Verfügung. Zudem können Mitglieder an Weiterbildungen teilnehmen. Besonders geschätzt wird auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Mitgliedern, der gemeinsam mit den Kantonen regional organisiert wird.

Zertifizierung schafft Vertrauen
Bei der Zertifizierung werden die Gegebenheiten und Möglichkeiten der Städte und Gemeinden berücksichtigt und auf dieser Basis gearbeitet und bewertet. Viele Energiestädte sind bereits seit vielen Jahren dabei und entwickeln sich ständig gezielt weiter. Rund 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt in den fast 500 zertifizierten Energiestädten und hat so die Garantie, dass ihre Gemeinde respektive Stadt systematisch in Richtung erneuerbare Energie und Energieeffizienz unterwegs ist. Wer eine Vorreiterrolle bei der Erreichung der Netto-Null-Ziele einnimmt, kann das Gold-Label, den European Energy Award, erlangen, und gehört damit zu den 111 besten Gemeinden und Städten in der Schweiz. Der Trägerverein Energiestadt ist ein Verein von Gemeinden und Städten für Gemeinden und Städte. Durch die Zertifizierung mit individueller Unterstützung, praxisnahen Instrumenten und einem klaren Fokus auf nachhaltige, wirtschaftliche Lösungen leisten Energiestädte einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und sichern gleichzeitig Lebensqualität. Und dies mit viel Erfolg und Anerkennung in der Bevölkerung.

Ergänzend folgen hiermit Praxisbeispiele zu ausgewählten Themen

Wärmezukunft Rheinfelden: Weg von fossilem Gas
Mit dem Projekt «Wärmezukunft» will die Stadt Rheinfelden die Transformation zu einer fossilfreien Wärmeversorgung in die Tat umsetzen. Wichtiger Bestandteil des Projektes ist die schrittweise Stilllegung der Gasversorgung. Die Stadt arbeitet dafür eng mit der Wärmeversorgerin AEW und der Gasversorgerin IWB zusammen.

Planungsprozess
Die Stadt will mit einer schrittweisen, koordinierten Stilllegung des Gasnetzes die Kosten für den Gasausstieg minimieren. In mehreren Workshops erarbeiteten die Stadt, die IWB und die AEW gemeinsam einen Stilllegungsplan für das Rheinfelder Niederdruckgasnetz. Diese Stilllegungsplanung orientiert sich am Alter der Gasleitungen in den verschiedenen Versorgungsgebieten. Es wird zuerst dort stillgelegt, wo Gasleitungen erneuert werden müssten. Die IWB hat sich verpflichtet, die Eigentümerschaften mindestens fünf Jahre vor der Abschaltung des Gasnetzes über den genauen Zeitpunkt zu informieren.

Restwertentschädigung als Teil der Umsetzung
Erste Stilllegungen sind ab 2030 geplant. Es kann sein, dass gewisse Gasgeräte zum Zeitpunkt der Gasnetzstilllegung noch nicht amortisiert sind. Die Stadt unterstützt betroffene Eigentümerschaften, indem der Restwert dieser Gasgeräte erstattet wird. Die Gemeindeversammlung hat hierzu im Juni 2025 das «Reglement über Entschädigungen aufgrund der Einstellung der Gasversorgung» verabschiedet.

Kommunikation und Beratung
Das Projekt «Wärmezukunft» ist auf die Unterstützung und Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen. Die Stadt Rheinfelden setzt hierbei auf eine proaktive, offene Kommunikation. Im Jahr 2025 luden die Projektpartner die Bevölkerung zu zwei Informationsanlässen ein, Eigentümerschaften werden mit umfangreichen Beratungsangeboten unterstützt. Dazu gehört die «Wärmeplattform», auf der online für jeden Standort ersichtlich ist, welche Wärmeversorgungslösungen möglich sind und in welchem Zeitraum die Gasversorgung gemäss aktueller Planung stillgelegt wird. Hier finden Sie weitere Informationen.

Öko-Quartier Plaines-du-Loup
Das Öko-Quartier Plaines-du-Loup in Lausanne wird zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt und entspricht den Anforderungen der 2000 Watt-Gesellschaft. Zusätzlich erfüllt es Kriterien zum möglichst limitierten Verbrauch von grauer Energie bei der Erstellung.

Wärmeproduktion
Die Wärmeproduktion der ersten Etappe wird mit einem Energiecontracting sichergestellt. Sie basiert auf 47 Wärmepumpen, die dank einem Anergienetz Wärme von 35 Erdwärmesonden in 800 Metern Tiefe (Geothermie) beziehen. Dazu kommen 5 Brunnen, die dem Abwasser Wärme entziehen.

Mobilitätszentrale
Eine Mobilitätszentrale mit einem Parking erlaubt es alle Infrastruktur für die gesamte Mobilität im Quartier auf einen Ort zu konzentrieren und so den Flächenbedarf dafür zu reduzieren. Im Weiteren wird das Quartier mit einer neuen Métro erschlossen.

Autorin: Laura Pfund, Geschäftsstelle Trägerverein Energiestadt

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