In gewissen Regionen der Schweiz herrscht Wohnungsnot. Eine der Massnahmen, ihr zu begegnen, ist die Verdichtung. Diese erfolgt häufig im Rahmen eines Ersatzneubaus, womit Leerkündigungen und Wiedervermietung gemäss Marktmiete einhergehen. Nun wenden Helvetia-Versicherungen bei der Siedlung Frohburg in Zürich-Oerlikon ein anderes Modell an: Langjährige Bewohner:innen mit unbefristetem Mietvertrag sollen zum Vorzugspreis in den Ersatzneubau einziehen können. Damit sorgt Helvetia freiwillig für soziale Durchmischung. Handelt es sich um reine Philanthropie oder gibt es auch indirekt ökonomische Überlegungen?
Helvetia verfolgt eine ressourcenschonende Entwicklung ihrer Liegenschaften mit dem Ziel, Wohnraum langfristig verfügbar zu halten, soziale Durchmischung zu fördern und Mieter:innen wenn möglich im Bestand zu halten. Dazu analysieren wir regelmässig das Potenzial unserer Bestände und wägen Sanierung, Neubau und etappierte Vorgehensweisen sorgfältig ab. Uns ist wichtig, dass wir bei jedem Bauprojekt immer Kosten und Nutzen für alle Anspruchsgruppen – worunter sowohl unsere Investoren, unsere Mietenden, wie auch die Umwelt gehören – abwägen und so die bestmögliche Entscheidung treffen. Dabei stellen ökonomische Überlegungen und die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung für uns keinen Widerspruch dar.
Bei der Siedlung Frohburg, die heute über 70 Jahre alt ist und nicht mehr den aktuellen Baustandards entspricht, sahen wir eine gute Gelegenheit, durch eine Kombination aus verdichtetem und etappiertem Bauen sowie einem Angebot für die langjährigen Mietenden einen Beitrag zur Wohnraumentwicklung in der Stadt Zürich beizutragen. Es war uns bei der Frohburg besonders wichtig, den langjährigen Mieter:innen mit unbefristeten Verträgen eine Perspektive zu bieten. Ein Drittel der heutigen Bewohnerschaft kann zu vergünstigten Konditionen in den Neubau zurückkehren. Das ist Ausdruck unserer Überzeugung, dass sich soziale Verantwortung und wirtschaftliche Interessen nicht ausschliessen. Bewohner:innen, die sich mit ihrer Umgebung identifizieren, bleiben erfahrungsgemäss länger und tragen zur Stabilität und Lebensqualität eines Quartiers bei. Das reduziert die Fluktuation und wirkt sich auch langfristig positiv auf unsere Bewirtschaftung aus.
Zur Person: Marco Ramstein ist Architekt und Immobilienökonom. In seiner mehr als 25-jährigen Tätigkeit in der Bau- und Immobilienbranche hat er Entwicklungen im Umfeld vielfältiger städtebaulicher, politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen begleitet und erfolgreich umgesetzt. Seit 2021 verantwortet er als Head Real Estate Development die Entwicklungsprojekte der Helvetia Versicherungen.