Das Pensionskassen-Rating wurde 2023 lanciert und zeigt die Entwicklung der Vorsorgegefässe betreffend Dekarbonisierung sowie weitere ökologische und soziale Themen auf. Die Version 2026 enthält Präzisierungen und bezeichnet SSREI allgemein für Nachhaltigkeit, insbesondere aber dessen neue Sozialindikatoren in der Version 2.0 als «Best Practice».
Das Pensionskassen-Rating für Immobilien der Klima-Allianz bewertet, wo die Immobilienanlagen der Vorsorgeeinrichtungen im Dekarbonisierungspfad zu Netto-Null 2040 stehen und wie umfassend sie die Nachhaltigkeit angehen. Eingeschlossen ist daher auch der Zuwachspfad der Photovoltaik, die Minimierung der grauen Energie, die Förderung der fossilfreien Mobilität der Nutzer sowie ökologische und soziale Faktoren. Evaluiert werden direkte Immobilienparks, indirekte Investitionen in Immobilienfonds, die Vergabe von Hypotheken und die Hypothekenfonds.
Seit Lancierung Anfang 2023 sind bis heute rund 110 Vorsorgeeinrichtungen erfasst, was 75% des totalen Immobilienanlagevolumens aller Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ausmacht. Nur 1% von ihnen, nämlich jene in «Dunkelgrün» (Abbildung am Ende des Beitrags), erfüllen sämtliche Kriterien des Ratings. Drei Viertel stehen erst am Anfang des Weges zur Nachhaltigkeit. Die Lücke lastet besonders auf dem Altbaubestand. Auf der positiven Seite ist das Viertel in «Hellgrün». Es lebt die für Netto-Null 2040 erforderliche Dynamik vor. Diese Akteure befördern die Erarbeitung von Standards für die Messung der Klima- und Energiekennzahlen und von Werkzeugen für die Festlegung der weiteren Nachhaltigkeitsindikatoren.
Erfreuliche Weiterentwicklungen in Richtung bester Branchenpraxis für das Reporting von Immobilienportfolien sind beispielsweise der REIDA-Standard für die einheitliche Messung der direkten und indirekten CO2-Emissionen. Beachtlich ist auch die zunehmende Akzeptanz des Angebotes des SSREI mit seinem öffentlichen Referenzrahmen für umfassende «Best Practice» in der Nachhaltigkeit. Fortgeschrittene und breit akzeptierte Branchenstandards verbessern die Sicherheit bei der Gestaltung eines ambitionierten Dekarbonisierungspfades, und sie ermöglichen die Entwicklung zur umfassenden ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.
Die Klima-Allianz hat 2026 die neuen technischen Standards als Präzisierung in die Kriterien und in die Kommunikation integriert. Sie dienen der Abbildung der Fortschritte und der präzisen Formulierung der Erwartungen für die nächsten Schritte.
Bisher zu wenig ernst genommen werden jedoch die grauen Emissionen. Der soeben erschienene Standard Minergie-Netto-Null für kreislauforientiertes Bauen stellt hier einen echten Fortschritt dar.
Besonders vernachlässigt wurde bis anhin die Wahrnehmung der Sozialverantwortung, die ebenfalls Teil der Kriterien des Ratings ist. Das Verhalten der institutionellen Immobilienbesitzer bei der Festlegung der Mietzinse und der Umgang mit der Mieterschaft bei Abbrüchen und Sanierungen kommt bei Medien und Öffentlichkeit zunehmend ins Rampenlicht. Kriterien für die soziale Nachhaltigkeit sind seit Anbeginn Teil des Ratings. Der sukzessive Aufstieg zur «Best Practice» in «Dunkelgrün» ist verbunden mit der Erfüllung sämtlicher Anforderungen einschliesslich der Sozialfaktoren: moderate Mietzinse, Förderung von gemeinnützigen Immobilien, Sanierungen möglichst im bewohnten Zustand oder aber Unterstützung der Mieter*innen mit frühzeitigem Angebot von akzeptablen Ersatzwohnungen mit tragbaren Mietzinsen und adäquater Rückkehrmöglichkeit.
Autor: Sandro Leuenberger, verantwortlich für das Pensionskassen-Rating bei der Klima-Allianz


